Ein Kompetenzzentrum Trans* in Mittelhessen

Von links nach rechts: Klaus Stehling (HMSI), Livia Prüll, Kai Klose, Petra Weitzel (Vorsitzende dgti). Foto: @HMSI

 

Worum dreht es sich hier? Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) bringt einen großen Einsatz für die Integration transidenter Menschen in unserer Gesellschaft, indem es eine Pionier-Institution fördert. Zusammen mit Moan Zimmermann (dgti) habe ich für die Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) mit tatkräftiger Unterstützung durch die Vorsitzende, Petra Weitzel, einen Projektantrag im Rahmen des "Aktionsplanes für Akzeptanz und Vielfalt" erstellt, der positiv beschieden wurde: Sowohl in Frankfurt / Main als auch in Gießen werden Abteilungen eines Kompetenzzentrums für den Mittelhessischen Raum installiert, die eine Ausstrahlung auf die Region, auf das Bundesland und auch auf andere Bundesländer haben sollen.

Einzigartig ist die Struktur: Dieses neue Kompetenzzentrum ist nicht, wie die alten Zentren, ein Zusammenschluss medizinischer Spezialist_innen, um für transidente Menschen den Zugang zu medizinischen Hilfeleistungen zu organisieren und diese unparitätisch "durchzuschleusen". Vielmehr handelt es sich hier um einen Zusammenschluss von Trans*menschen, die ihre berufliche Expertise nutzen, um drei wichtige Bereiche zu bedienen:

1. Die Peer-Beratung von transidenten Menschen auf Augenhöhe: Hierzu soll ein transparentes Angebot geliefert werden, dass über verschiedene Medien einen schnellen Zugang zu Hilfeleistung ermöglicht. Dieses Hilfsangebot schliesst auch die Beratung / Betreuung von Angehörigen, Partner_innen und Freunden transidenter Menschen mit ein.

2. Die enge und kollegiale Zusammenarbeit mit anderen LSBTIQ-, Fürsorge- und Wohlfahrstverbänden, um das Thema "Transidentität" den dortigen Helfer_innen zu vermitteln sowie auch denjenigen transidenten Menschen, die in anderen Einrichtungen um Hilfe ersuchen (z.B. Flüchtlinge).

3. Die Verbreitung sämtlicher Facetten des Themas "Transidentität" in der Gesellschaft. Konkret bedeutet dies: Vorträge, Workshops, individuelle Beratung für die verschiedensten Vereine und Verbände, für medizinische Einrichtungen, Schulen, Hochschulen, politische Parteien sowie Landes- und Bundesministerien etc. etc. Das bedeutet z.B. auch das Coaching von Arztpraxen, das wir in der dgti zusammen mit der Deutschen AIDS-Hilfe im Rhein-Maingebiet schon begonnen haben und auf das wir in Zukunft aufbauen können.

Fussend auf diesen drei Säulen kann das zukünftige Kompetenzzentrum entscheidend dazu beitragen, dass Wissen über Transidentität in unserer Gesellschaft effektiv verbreitet wird. Ferner können so die unterschiedlichen Akteure (transidente Menschen, Cis*-Menschen, Ärzt_innen, Erzieher_innen etc.) miteinander ins Gespräch gebracht und vernetzt werden. Das bedeutet auch, einen wichtigen Beitrag für Vielfalt und Diversität in unserer Gesellschaft zu leisten.

Wir beginnen sobald wie möglich mit dem Aufbau dieser Strukturen und tuen alles, um schnell voranzukommen. Dabei soll ein neues Finanzierungskonzept helfen, in deren Rahmen zukünftig eine Förderung durch das Land Hessen durch eingeworbene und erarbeitete Mittel ergänzt werden soll. Ziel ist damit die Errichtung einer nachhaltigen, dauerhaften Institution, die mittel- bzw. langfristig auf eigenen Füssen stehen soll.

Ich danke dem HMSI und hier vor allem dem Staatssekretär Kai Klose sowie Klaus Stehling, Stabsstelle für Antisdiskrinierung ebendort, sehr für diese Hilfe und für das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird. Und ich danke auch den Helfer_innen in der dgti, allen voran Petra Weitzel, für Unterstützungen im Vorfeld und für ihre Bereitschaft, ihre zum Teil langjährigen Erfahrungen in der Unterstützung transidenter Menschen in das Projekt einbringen zu wollen.

Der Aufruf gilt aber letztlich für Alle: Unterstützt uns und helft mit, dass diese Idee Früchte trägt!

Es grüßt Euch

Eure

Livia

 

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Kommentare

Kommentar von Johanna |

Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Nur durch Aufklärung kann die Situation für transidente Menschen, egal welcher Ausprägung, verbessert werden, um ein würdevolles Leben zu haben.

Antwort von Livia Prüll

Das denke ich auch. Vor allem ist es wichtig, dass in verschiedene Richtungen aufgeklärt wird - in Richtung Gleichgesinnte, in Richtung Cis+menschen allgemein und in Richtung (medizinische) Helfer_innen...

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