Corona und kein Ende II

....da dachte ich zuerst als sehr selbstkritischer Mensch, ich sollte mich doch vielleicht zurückhalten. Ja, vielleicht sollte man eben doch noch etwas abwarten und schauen, wie sich alles entwickelt. Und das Land hatte ja auch richtig reagiert auf die Krise. Und ich schreibe hier erneut, dass den Bundesbürger_innen etwas zugemutet werden kann. Und vor allem ist es wichtig, die Basisregeln einzuhalten: Abstand, nicht andere anniesen, regelmässig Hände waschen.... Aber die Kosten/Nutzen Kalkulation der Massnahmen wird nicht mehr richtig durchgeführt. Und daher war ich mir dann doch zu sicher, dass meine Argumente stichhaltig sind und ich setzte meine Nachricht auf diese Website, setzte sie auf Facebook, ich schrieb an Herrn Dr. Laschet, ich schrieb an Herrn Dr. Schäuble, ich schrieb dasselbe auch an das Bundesgesundheitsministerium.

Und genau an jenem Abend, wenige Stunden nachdem ich das getan hatte und dann vor den Nachrichten der ARD sass, da gingen mir die Augen über. Viele hatten sich anscheinend empört. Denn haargenau dasjenige, das ich moniert hatte, haargenau das kam in den Nachrichten und wurde dann in einem ARD-Extra ausgewalzt. Es beruhigte mich, dass auch andere so dachten, wie ich, Ärzt_innen, Politiker_innen und viele andere Bundesbürger_innen.

Und wenige Tage danach gingen mir erneut die Augen über. Da plötzlich wurde die Kanzlerin locker und redete über Lockerungen. Und plötzlich konnte es nicht schnell genug gehen, nachdem man mal auf die Strasse geschaut hatte und gesehen hatte, was sich da tat. Und plötzlich hörte man auch aus dem RKI ganz andere Dinge. Irgendwie verstanden hatten anscheinend auch die Viren und deren Beobachter_innen, denn das Virenbarometer schwenkte in Richtung Normalisierung....

Langsam in Richtung "Normalität" ist das Motto. Sehr langsam anscheinend. Die Prise Lockerung, die reaktiv über das Land gestreut wurde, wirkte beruhigend. Es geht also aufwärts, das sollte signalisiert werden. Und entsprechend unbarmherzig geht es jetzt jenen, die sich nicht mit dem langsamen Lockern ohne genaue Perspektive auf dem Weg zur "Normalität" zufrieden geben wollen. Doch ich frage mich....

Bin ich eine "Covidiot_in" wenn ich nicht verstehe, dass mir im Friseursalon zuerste die Haare gewaschen werden, wo doch das Virus nicht in den Haaren ist und anscheinend keine Haarhauben Pflicht sind - noch nicht mal in Bayern?

Bin ich eine "Verschwörungstheoretiker_in" wenn ich nicht verstehe, dass ein Teil der Länder die Grenzen auf haben will, ein Teil zu, dass ein Teil der Bundesländer die Grenzen öffnen wollen, die anderen nicht?

Und bin ich eine "Covidiot_in", wenn die Medien regierungstreu berichten und kritische Stimmen zur Abschottungs- und Isolierungspolitik der Groko nur als Anhängsel bringen, und wenn die Medien sogar einen kritischen Wissenschaftler wegen seines Alters diskriminieren? Und das während dann die ebenso alten Wissenschaftler_innen der Leopoldina als Gewährsmänner zitiert werden.

Bin ich eine "Verschwörungstheoretiker_in", wenn ich berücksichtige, dass die Länder in Europa völlig unterschiedliche gesundheitspolitische und kulturelle Rahmenbedingungen haben, in denen sich Corona abspielt und der Spruch "Schau nach Italien" zum Totschlagargument für jede Kritik mutiert?

Bin ich eine "Covidiot_in" wenn ich die Art und Weise, wie jetzt in der Kirche Gottesdienste "gefeiert" werden als gesellschaftlich zerstörend betrachte? - also, wenn man mit 1,5 Meter mit Mundschutz auseinandersitzt, singen untersagt ist, zusammensitzen und zusammenstehen untersagt sind?

Bin ich eine "Verschwörungstheoretiker_in", wenn ich den wirtschaftlichen Kahlschlag sehe und es ernst nehme, wenn man mir erzählt, dass man die gewaltigen Veränderungen in unserer Gesellschaft, die Traumatisierungen und die massenhaften Insolvenzen, die steigende Armut und den Anstieg von Toten als sekundäre Folge erst in einem halben Jahr - also zumindest erst mit Verzögerungen - wahrnehmen wird. Das jetzt noch alles passabel wirkt, aber das es schon nicht mehr ist?

Bin ich eine "Covidiot_in" wenn ich für das Recht zum Demonstrieren eintrete und mich dafür nicht als "Neonazi" beschimpfen lassen will?

Bin ich eine "Verschwörungstheoretiker_in" wenn ich fordere, dass die Politik Entscheidungen fällt, weil sie die Verantwortung für und die Übersicht über alle gesellschaftliche Bereiche hat und nicht Alles auf Stellungnahmen der Virologie schiebt.

Bin ich eine "Covidiot_in" wenn ich den Eindruck habe, dass jene "Fakten", die zur Zeit über das Virus verbreitet werden, kritiklos weiterverbreitete Einzelbefunde und Spekulationen sind, die nichts als Panik und Hysterie erzeugen?

Bin ich eine "Verschwörungstheoretiker_in", wenn ich mich wundere, dass niemand in den Jahren 2017/18 bei 25100 Influenza-Toten in Deutschland den Mund hörbar aufgemacht hat, wenn ich mich weiter wundere, dass es damals keine Rede der Kanzlerin gab und man damals den Tod vieler alter Menschen hingenommen hat, dass man jetzt aber bei einer Krankheit, die bei den meisten mild verläuft, das gesamte gesellschaftliche Leben an die Wand fährt?

 

Nein - diejenigen, die kritische Stimmen abtöten, die Zerstören die Demokratie, die legen die Lunte an die freie Meinungsäußerungen und damit an die Freiheit in unserem Land. Und Gruppierungen, die Rechtsaussen stehen, dürfen nicht das Demonstrieren verhindern. Wenn Demonstrationen missbraucht werden, muss die Polizei einschreiten, müssen Mittel und Wege gefunden werden, um den Rechtsstaat zu verteidigen. Aber es geht nicht, demokratische Demonstrationen zu untersagen oder deren Demonstrant_innen zu diffamieren. Dann passiert das Gegenteil, von dem, was intendiert ist - den Kräften von Rechts wird die Strasse überlassen.

Die Kritiker_innen der Corona-Massnahmen müssen ihre Meinung sagen können. Und es werden mehr werden. Und das ist wichtig, denn es beschleicht einen das ungute Gefühl, dass Lockerungen wohl nur noch dann erfolgen, wenn der Unmut von der Strasse kommt. Kurzum: Eine kritische Diskussion auch von Corona und allen Masnahmen dagegen muss möglich sein, um eine vernünftige Kosten/Nutzen-Abwägung zu machen, die beides berücksichtigt: Schutzinteressen auf der einen, aber auch Grundbedürfnisse des gesellschaftlichen Miteinanders auf der anderen Seite....

Viele Grüße an alle,

Livia

 

 

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