Warum diese Website?

Dennoch: Der Informationsstand zum Thema ist in der Bevölkerung ist niedrig. Viele transidente Menschen (von meiner Warte aus: "Gleichgesinnte") brauchen dringend Angaben zu verschiedenen Bereichen. Und auch das Wissen bei den Expert_innen, die transidente Menschen beraten, ist oft sehr niedrig. Daher habe ich mich bemüht, wichtige Inhalte gebündelt und - hoffentlich verständlich - zusammenzufassen. Gleichsam eine "Erste Hilfe". Und ich gebe auch Neuigkeiten bekannt und Links zu anderen Informationsquellen. Und ich bringe eigenes Material. So trage ich hoffentlich zur "Vernetzung" bei, zur Kommunikation...und vor allem zum gegenseitigen Verständnis.

Damit sind wir beim zweiten Ziel: Den Austausch zwischen "Betroffenen", Angehörigen, Expert_innen und interessierten Menschen aus der Gesellschaft zu fördern. Nicht nur über die speziellen Fragen. Sondern auch über das, was man den "Kontext" bezeichnet: Wie lässt sich  "Trans*" historisch herleiten und erklären? Was bedeutet "Trans*" für unsere Gesellschaft? Welche Bezüge hat "Trans*" zu zeitgenössischen Fragen, die uns bewegen? Da ist zum Beispiel das Thema "Vielfalt" / "Diversität". Es geht aber ebenfalls um soziale Gerechtigkeit, um Arm und Reich. Es geht um unser Land als Demokratie. Ich freue mich, mit Ihnen über diese Themen zu diskutieren und hoffe, dass man dadurch etwas voranbringen kann. Warum das notwendig und angesagt ist und warum man seine Stimme erheben sollte? Ein Blick in die Tagespresse genügt...

Nicht zuletzt hat das Ganze aber viel mit mir zu tun, indem ich einen Berufswechsel nutze, um mich dem Thema "Trans*" stärker zu widmen. Mein Engagement als Trans*aktivistin und meine Vortragstätigkeit haben mich durch viele Anfragen von den oben genannten Personenkreisen in die Beratung geführt. Ich werde nur noch sehr punktuell wissenschaftlich arbeiten und mich der Beratung von Menschen widmen - wie oben angesprochen im weitesten Sinne, d.h. nicht "nur" der Beistand für transidente Menschen, sondern eben auch die Beratung von Fachleuten und all denjenigen, die interessiert sind. Das Ganze ist im Aufbau begriffen und gedeiht hoffentlich schnell.

Das waren die wichtigsten Punkte. Ich bin neugierig darauf, was Ihnen dazu einfällt.

Es grüßt ganz herzlich alle Leser_innen,

Livia Prüll

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Kommentare

Kommentar von Johanna |

Hallo liebe Livia Prüll.
Ich persönlich bin froh, daß es Menschen gibt wie Sie. Wem kann man sich in der Situation anvertrauen? Seinem/Ihrem Therapeuten, Gleichgesinnten (die man erstmal finden muß), der Familie (halte ich für problematisch, weil kein Zugang zur Problematik)
Also gut, daß es dann diese Möglichkeit gibt, und ich denke, ich werde sie nutzen, im Rahmen meiner Entwicklung. Ich hoffe, daß dieses Forum befruchtet wird durch Menschen, die so sind wie ich. Und ich weiß, daß es da mehr gibt, als ich bisher dachte. Ich persönlich beruhige mich dadurch, daß ich weiß, nicht allein zu sein. Hier in meiner Umgebung gibt es mehr Transgender, um mal diese verschiedenen Eingruppierungen zusammenzufassen, als ich bisher dachte. Was ja auch ein wenig Hoffnung macht. Also, ich hoffe, daß Ihr Ansinnen auf viel Gegenliebe stößt, und dieses Projekt erfolgreich im Sinne für uns Trans*menschen wird.

Antwort von Livia Prüll

Vielen Dank für Ihre positiven Worte. Mir selbst wurde durch Menschen geholfen, die positiv denken, die seinerzeit, als ich meine Angleichung ins Auge gefasst habe, geschrieben und gesagt haben "Du darfst Dich umziehen und Frau sein. Das ist keine Schande, sondern das ist Deine Identität, das gehört zu Dir." Man braucht diese Impulse und ich habe mir vorgenommen, das Gute, was mir getan wurde, weiterzugeben, so gut ich kann. Aber nicht nur als moralischen Gründen, sondern aus innerer Überzeugung. Denn das, was man als transidenter Mensch erlebt, ist wertvoll für einen selbst und für die Umgebung, in der man lebt, da man zu sich selbst kommt und der Umgebung neue, andere Impulse geben kann, nämlich vor allem den Blickwinkel ausgehend von beiden Geschlechtern. Allerdings ist es so, dass man sich das immer wieder bewußt machen muss, da es durch die vielen Schwierigkeiten, mit denen man sich befassen muss, verschüttet wird: Ich stehe morgends auf und denke daran, dass mich am Vortag eine Person angerufen hat, um mir zu erzählen, dass ich sie mit meiner scheusslichen Frisur auf der Website an den Mann von früher erinnere. Mir geht es nicht gut, ich trinke einen Kaffee und erinnere mich dann an positive Stellungnahmen, an Komplimente, an das was ich geschafft habe. ...

Positiv denken: Im Arbeitskreis Trans* Rheinland-Pfalz haben wir gestern darüber gesprochen, dass das permanente Erörtern von Problemen, Schwierigkeiten, Umsetzung von Trans* bei den Gleichgesinnten zum Teil zu massiven Verunsicherungen führt und wir wollen hier zukünftig andere, zusätzliche Akzente setzen. Nicht um Probleme wegzudiskutieren, aber um diese durch das Hervorhaben des Positiven auf das realistische Mass zurückzuführen...

Ich schicke Ihnen liebe Grüße, Livia

Kommentar von Johanna |

Danke für das Feedback. Das ist genau die Intention, die ich meine. Ich bin auch von einer lieben, aber resoluten Person aus dem Verborgenen geholt worden. Was aber meinerseits nicht zu Ende gebracht wurde, und ich damit der betreffenden Person wohl ein falsches Signal gegeben habe. Ich könnte mir vorstellen, daß diejenige hier auch mitliest. Ich brauche scheinbar vielmehr Zeit, als ich selbst gedacht habe. Weil mir eben genaus dieses Positivdenken das Negative überlagert. Leider.

Antwort von Livia Prüll

Manchmal muss man sich die Zeit geben, man kann an einer Lösung arbeiten, indem man sich immer wieder in die Situation versetzt, Erfahrungen machen zu können. Aber man kann es nicht herausquälen. Das haben mir Gleichgesinnte schon ganz am Anfang meiner Angleichung gesagt: Man braucht Geduld, man braucht Nerven. Leider. Dennoch: Man kann (und ich finde sollte) sich über die kleinen Schritte freuen, die gelingen. Das trägt einen weiter, finde ich, und man überbrückt damit auch Durststrecken....

Kommentar von Johanna |

Es sollte natürlich genau andersrum heißen; Das Neagtive überlagert das Positive. Zumindest soviel, daß es meiner PT sofort auffiel, daß ich gestern nicht so euphorisch wie beim letzten Mal war.

Antwort von Livia Prüll

Ok, danke für die Richtigstellung ... aber das wurde aus dem Gesamtzusammenhang schon klar. Es gibt die Möglichkeit, sich Erfolgserlebnisse zu verschaffen, wenn man die Tage ausnutzt, an denen es einem gut geht und man dann beispielsweise en femme rausgeht, sich ein Kleidungsstück kauft, etc. - und dass man es eher lässt, wenn man zerknirscht ist oder der Tag nicht so gut ist. Das sind wenigstens so einige Stellschrauben, die man/frau hat.....

Kommentar von Johanna |

Hallo, ich habe endlich mal wieder ein positives Erlebnis gehabt. Und das war am Mittwochabend um 19 Uhr in Mainz, in der Sichtbar. Sie wissen wahrscheinlich längst, was ich meine. Dieser Abend hat mir sehr viel Kraft gegeben, durch die Podiumsdiskussion, hier möchte ich vor allem Dr.Jatzko hervorheben, der locker war, aber auch rührend. Habe so einige in meinem direkten Umfeld bemerkt, die da doch mal ein Tränchen verdrückt haben. Also, es war für mich wirklich reich an Erkenntnissen. Und wenn ich denke, daß ich eine Stunde vorher am liebsten noch gekniffen hätte. Habe ich aber nicht, und das ist der eigentliche Erfolg, den ich für mich an diesem Tag verbuchen konnte. Ein guter und wichtiger Tag. Liebe Grüße Johanna

Antwort von Livia Prüll

Für die Leser_innen: In der Bar-jeder-Sicht in Mainz fand am 31.1.2018 einen Themenabend Trans* und Psychologie statt, in dem ein Film vorgestellt wurde, den Psychologiestudierende im Rahmen eines Seminars zur Rechtspsychologie am Ende des letzten Jahres an der Universität Mainz produziert haben. Es ging/geht darum, Studierenden der Psychologie das Thema nahezubringen und dabei auch einen Beitrag zur Verbreitung von Wissen zum Thema in der Öffentlichkeit zu leisten. Der Film wurde gezeigt und danach mit den Studierenden und den Mitwirkenden (u.a. auch meine Wenigkeit) diskutiert.

Und es ist toll, dass Sie das Event auch für sich nutzen konnten. Mich freut sehr, dass Sie so auch ein eigenes Erfolgserlebnis hatten. Ich denke, das ist der richtige Weg: Wenn man Lust hat und es einem gut geht - ausnutzen und raus gehen en femme. Liebe Grüße, Johanna, und weiterhin alles Gute, Livia

Kommentar von Johanna Dornal |

Und wie ich das genutzt habe. Beseelt durch diesen Abend und weil zu diesem Zeitpunkt auch rechtzeitig mein langersehnter DGTI-Ergänzungsausweis mit der Post eintraf, habe ich freitags darauf alleine, ohne Hilfe eines anderen Transmenschen eben dies gemacht. Ich bin getrieben von einer unbändigen Kraft en femme unter das Volk gegangen. Ich erspare mir jetzt die Details, kann man im Gendertreff, bzw. im Crossdresserforum nachlesen. Eine großartige Erfahrung, die mich unwahrscheinlich zufrieden und glücklich gemacht hat. War insgesamt eine sehr schöne Woche. Ich hoffe, es gibt MitleserInnen, die dadurch ermutigt werden, so wie es nun bei mir ist. Der erste Schritt ist nicht einfach, aber, wenn er geschafft ist, dann ist das eine Befreiung. Die innere Stimme hat am Ende dieser großartigen Woche gesagt, "mach' es, geh raus". Die innere Stimme hatte recht. Aber dazu wäre es ohne diesen Abend vom 31. Januar 2018 wahrscheinlich nie gekommen.

Antwort von Livia Prüll

Ja, was soll man dazu noch sagen? Wunderbar! Ich hoffe wirklich, dass viele transidente Menschen das lesen und dass diejenigen, die zaudern und unschlüssig sind, sich ein Herz fassen und raus gehen, wenn Sie gut drauf sind und es tun können. Und Dir Johanna kann man nur "Weiter so" zurufen....

Kommentar von Johanna |

Hallo Livia (ich hoffe nicht, daß ich jetzt zu nahe komme,es ist einfacher für mich auf der Du-Ebene)
Ja, das war schön in dieser Woche, und auch meine Wochenenden, an denen ich auch dank meiner Ehefrau weiblich sein kann. Aber ich mache einen Schritt vor, und dann kommt wieder ein Dämpfer. Dieses Mal in Person eines Kollegen, der sich immer wieder mit genderfeindlichen Aussagen "hervortut". Unreflektierten Mist über eine Sache von sich gibt, von der er absolut keine Ahnung hat. Mich verletzt das innerlich und verhindert immer wieder, daß ich mutiger werde, und irgendwann mich auch im Job outen könnte.
Wenn ich mit diesem Beitrag den falschen Thread nutze bitte ich um Mitteilung. Ich fände gut, wenn eine Diskussionsplattform für solche Dinge, wie jetzt meine Geschichte, existieren würde. Ich fühle mich momentan ziemlich alleine, obwohl viele Menschen um mich herum sind. Aber dieses Gefühl dürfte jeder Transmensch mal gehabt haben. Ich wünsche einen guten Wochenstart. Liebe Grüße Johanna

Antwort von Livia Prüll

Hallo Johanna, vielen Dank für Deine Nachricht. Abgesehen von unserer Unterhaltung via Mail können wir uns gerade über dieses Thema weiter im Rahmen eines neuen Thread austauschen, den ich gerade rausgebracht habe. Nochmals vielen Dank und liebe Grüße, Livia

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