Das neue Jahr 2018 und der Blick zurück...

Denn der Blick ganz weit zurück vermittelt eine neue Perspektive, die doch dem Umgang mit dem neuen Jahr gut tut. Ich meine damit den Blick zurück mindestens auf die Geschichte der Trans*-Bewegung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine Zeit, in der in den USA die ersten Zentren eingerichtet wurden, in denen transidenten Menschen neben Beratung auch eine Hormontherapie und geschlechtsangleichende Operationen ermöglicht wurden. Aber auch eine Zeit, in der eben dies mit dem Stigma des "Krank seins" erkauft wurde. Das war nach Meinung der Gleichgesinnten, die damals ihre Angleichung vornahmen, schon ein Fortschritt, aber die gesellschaftliche Realität sah eben noch bis zum Beginn der 1990er Jahre so aus, dass transidente Menschen under cover lebten, dass sie in der Gesellschaft nicht existent waren. 1961, als Virginia Prince die ersten langlebigeren Trans*organisationen schuf, traf man sich in einem Hotel in Los Angeles - heimlich. High heels und Strumpfhosen wurden versteckt in braunen Papiertüten zum Meeting mitgebracht (Susan Stryker, Transgender History, Berkeley/CA 2008, S. 54/55). Und das Verstecken war noch bis weit in die 1980er Jahre, im "Dark Age" der Trans*Bewegung, die Regel. Auch in Deutschland.

Wie anders ist das heute. Und den Vergleich haben wir vor allem durch die gut bearbeitete amerikanische Trans*geschichte, was vor allem den kulturwissenschaftlich ausgebildeten Gleichgesinnten dort und den Kulturwissenschaften und Gender Studies in den USA zu verdanken ist. Und eben diese Forschungen haben ausgehend von dem deprimierenden Bild des letzten Jahrhunderts positive Aspekte herausgearbeitet, sie haben sämtliche Aspekte von Trans* analysiert, sei es die interkulturalität oder auch Fragen der Vermarktung von Trans* und die Veränderungen in einer neoliberalen Welt. Wir sollten diese Forschungen und damit auch das positive Denken in Deutschland viel stärker wahrnehmen. Wir sollten viel stärker konstruktiv nach Vorne denken. Und damit sind wir wieder beim Jahr 2018. Probleme sollten nicht wegdiskutiert werden, sie sollten aber auch nicht ständig hin- und hergewälzt werden. Die positiven Aspekte der Angleichung gilt es stärker zu beachten. Damit sind nicht zuletzt auch die freigesetzten Kräfte durch eine Angleichung angesprochen.

Auf einer Fortbildungsveranstaltung sagte neulich ein Trans*mann einer interessierten Zuhörerschaft auf die Frage nach Erfahrungen der verbalen Diskriminierung: "Zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Ich möchte mich auf die Dinge konzentrieren können, die mir im Leben Spass machen". Das ist sicher nicht einfach umzusetzen. Aber es geht doch zuweilen. In diesem Sinne gilt es, auf das Erreichte zu schauen, darauf dass Transidentität mittlerweile ein Teil unserer Gesellschaft ist und es grundsätzlich von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert wird. In diesem Sinne, gilt es, Mut zu schöpfen und aufrechten Ganges weiterzuschreiten, auch im Jahr 2018.

Ich wünsche uns allen ein gutes und gesundes Vorwärtskommen - und möglichst wenige Widrigkeiten, die sich uns noch entgegenstellen....

Alles Gute, Eure Livia

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